„I am Jamilia“


„I am Jamilia“-1


Foto-Ausstellung mit Irina Unruh (Brautraub in Kirgistan)

„Eine gute Hochzeit beginnt mit Tränen“ heißt es in einem berühmten kirgisischen Sprichwort. Die erste Foto-Ausstellung im Bürgerzentrum Schuhfabrik nach dem langen Kultur-Lockdown beschäftigt sich mit dem kirgisischen Brauch des Frauenraubs. Die Dokumentarfotografin Irina Unruh ist gebürtige Kirgisin, lebt in Freckenhorst und macht in ihrer Ausstellung „I am Jamilia“ in der Schuhfabrik Ahlen in der „etage eins“ darauf eindrucksvoll aufmerksam.

Die Ausstellung stellt Frauen, die den Brautraub selbst erlebt haben mit ausdrucksstarken Porträtaufnahmen in den Vordergrund und gibt ihnen eine Stimme. Nach den neuesten statistischen Erhebungen erleben 12.000 Frauen jährlich den sogenannten Brautraub. Die Frauen werden häufig am hellichten Tag von einer Gruppe Männern und dem zukünftigen Bräutigam entführt und in das Haus seiner Familie gebracht. Dort wird sie von den weiblichen Verwandten unter psychischen Druck gesetzt. In zu vielen Fällen vergewaltigt der Bräutigam die Frau, um sie daran zu hindern aus Scham wieder zurückzugehen.

Die Tradition des Brautraubs ist seit 2013 verboten und kann mit bis zu zehn Jahren Gefängnis geahndet werden. Doch ist diese Form der strukturellen Gewalt gegen Frauen weit verbreitet und noch lange nicht geächtet.

Jede der in der Ausstellung gezeigten Frauen hat ihre Geschichte in einem Text beschrieben, die den Fotos zugeordnet sind. Irina Unruh geht es neben der Verurteilung dieses überholten Brauchs darum den Frauen ihre Selbstbestimmung zu erhalten und sie nicht ausschließlich als Opfer darzustellen. Es sind starke Frauen, die sie kennengelernt hat und die sie in ihren sensiblen Aufnahmen porträtiert. Geraubte Frauen, die ein Leben lang unter dieser traumatischen Erfahrung leiden, wollen für die eigenen Kinder einen besseren Beginn ihrer Hochzeit, egal ob es Töchter oder Söhne sind. Ergänzt und vervollständigt wird die Ausstellung mit Landschaftsbildern aus diesem fernen und schönen Bergland und weiteren Aufnahmen aus dem Leben und dem Alltag der Menschen. Außerdem wird die Ausstellung mit einer weiteren Perspektive ihrer Freundin Iris Oppelaar komplementiert. In Oppelaars Multimediaarbeit WILDNESS (Wildheit) geht sie ebenfalls der Frage nach, wie betroffene Frauen nach einer Entführung weiter leben. Beide ausstellenden Frauen möchten die Praxis der Brautentführung desensationalisieren und stattdessen die zugrunde liegenden Motive und gesellschaftlichen Erwartungen aufdecken und dabei Einblicke in das Leben der Kirgisen geben.

Die Ausstellung zeigt einen anhaltenden Kampf innerhalb der kirgisischen Gesellschaft zwischen Tradition und Moderne und macht durch die klare Positionierung in den Aussagen der porträtierten Frauen Hoffnung für eine positive Veränderung für die Zukunft.

Irina Unruh konzentriert sich in ihren fotodokumentarischen Arbeiten immer wieder auf die Situation von Frauen. Ihre Arbeiten finden weltweit Anerkennung und wurden bisher u.a. in Rom, Brüssel, Tiflis und Jakarta ausgestellt. Die in der Schuhfabrik präsentierte Ausstellung „I am Jamilia – Ich bin Dshamilja“ wurde mehrfach als Finalistin nominiert. Aktuell erschien ein Porträt von ihr in Form eines umfassenden Interviews und einiger Fotografien in der Wochenendausgabe der Frankfurter Rundschau.

Die Ausstellung ist vom 8. Juli bis zum 8. September täglich außer sonntags von 10 bis 21 Uhr geöffnet. Gefördert wird die Ausstellung durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW und das Programm Dritte Orte – Häuser für Kultur und Begegnung im ländlichen Raum.

Am 14. August ist kirgische Musik & Tanz mit Guliza & friends beim Schuhfabrik Kultursommer zu erleben!

Mehr Infos unter www.irinaunruh.com und www.schuhfabrik-ahlen.de

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